Eine herausfordernder Wechsel – der Aufbruch vom Marketing zum General Management.

Marketing mag das Reich der Marketingleiter sein – doch die ultimativen Entscheidungen in diesem Feld werden oft vom Geschäftsführer getroffen. Es ist daher nur logisch, dass Marketingleiter, die etwas bewirken wollen, sich zum General Manager weiterentwickeln. Genau so ist es mir ergangen.

Kürzlich befragte Spencer Stuart 500 Marketingleiter aus allen Branchen, um herauszufinden, wo ihre Karrierewege hinführen: zum Marketing oder zum General Management. Insgesamt zeigte die Studie, dass 70 Prozent der Befragten langfristig den Wunsch hegten, Geschäftsführer zu werden, während nur 30 Prozent Chief Marketing Officer anstrebten.

Das erinnerte mich an meine eigene Karriere. Ich habe meinen Weg vor allem in der Logistikbranche gemacht – eine Branche, die ganz und gar nicht Marketing-zentriert ist, mit keiner definierten Laufbahn für Marketingleiter. Nichtsdestotrotz waren alle meine Positionen Stationen auf dem Weg zu meiner jetzigen Rolle als Geschäftsführer. Während dieser Reise habe ich oft andere Manager getroffen, die das Marketing hinterfragten. Letztlich fand ich es besser, selber das Marketing zu hinterfragen, und zu zeigen wie aus einem Marketingleiter ein besserer Geschäftsführer wird.

Wettstreit gegen Wahrnehmungen und Vorurteile

 Als ich meine Veränderung angehen wollte, spürte ich ein grosses Hindernis: nämlich die Wahrnehmung, dass Marketingleiter zu wenig unternehmerische Fähigkeiten mitbrächten. Um Glaubwürdigkeit aufzubauen entschloss ich mich, meine eigene Firma zu gründen. Während meiner Zeit als Unternehmer war ich dementsprechend in alle Aspekte des General Management involviert, und ich fokussierte stark auf Geschäfte im B2B und B2C-Bereich.

Nachdem ich Vizepräsident im Management Team eines meiner Kunden geworden war, fand ich mich zurück im Konzernleben. Dort wurde ich mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: die Idee, dass Marketingfachleute über zu wenig finanzielle Kompetenzen verfügten. Obwohl ich mich nach Kräften bemühte, mit Finance zusammenzuarbeiten, brauchte ich viel Zeit plus ein Executive Ausbildungsprogramm in der Wharton Business School, um die Wahrnehmung im Geschäftsalltag zu verbessern.

Die Kunst, Menschen zu verstehen

Die Fähigkeit, mich vom Marketing zum General Management zu verändern, war weniger eine Frage der individuellen Kompetenzen als eine Frage des Rollenverständnisses der verschiedenen Firmen. Definitionsgemäss benötigen Marketingleiter sehr gute Kenntnisse der Kunden und deren Bedürfnisse. Den Kunden zu verstehen war letztlich entscheidend für meinem Erfolg im Marketing – und der Schlüssel zum Erfolg im heutigen Geschäftsleben.

Ich arbeitete mehrheitlich im globalen Logistikumfeld, und wirkte als Integrator, um Erfolg zu haben. Dabei verknüpfte ich die verschiedenen Funktionen, was ein hervorragendes Übungsfeld für einen angehenden Geschäftsführer war.

People Functions Cultures

Funktionen und Kulturen überschreiten

Marketing ist keine hochspezialisierte Rolle im Logistiksektor; daher wurde ich zum Generalist. Auf der anderen Seite ist diese Branche extrem global, und erfordert spezielles Know-how, um Strategien zu artikulieren und zu implementieren, die weltweit und für nahezu alle Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden können. Ich hatte das Privileg, in einem relativ jungen Alter funktions- und kulturübergreifend zu arbeiten.

Während meiner Anstellung bei DHL, dem globalen Branchenführer, durch Air Express International (damals die grösste US Luftfrachtsgesellschaft und eine bedeutende Akquisition von DHL), wurde ich Mitglied des Integrationsteams – zusätzlich zu meiner regulären Position als Marketing Manager Deutschland. Dort arbeitete ich bei verschiedenen Marketing- und Integrationsprojekten nahe mit Human Resources, Finance, Operations, Marketing, Verkauf und Kommunikation zusammen.

Aufgaben ausserhalb des Gewöhnlichen

Ich sammelte ganz andere Marketing- und Management-Erfahrungen während meiner Zeit mit Panalpina, einem führenden Netzwerk in Europa. Zu meinen einzigartigen Aufgaben, welche die nahe Zusammenarbeit mit allen Geschäftsebenen erforderten, gehörten: Der Aufbau der Global Account Management-Strukturen und der Marketingorganisation, die Durchführung einer grossen Neuausrichtung, Branding-Projekte sowie das Implementieren eines weltweiten Change Management-Programmes im Rahmen des Schweizer Börsengangs.

Bevor ich mich zu meiner jetzigen Geschäftsführerrolle bei Kuehne + Nagel veränderte, ging ich zu Agility – eine Schwellenmarktfirma im Mittleren Osten mit der Vision, ein neuer, globaler Branchenführer zu werden. Ich erlebte Marketing und Management in einem grundverschiedenen, kulturellen Zusammenhang und ein äusserst professionelles Business-Verständnis, allerdings etwas abseits vom üblichen Branchenstil.

Suche nach dem Gesamtzusammenhang

Die Antriebe für meinen Wandel waren meine natürliche Neugier, meine Leidenschaft für Vermarktung und der Wunsch, mit Leuten aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Ich hatte kein spezifisches Kriterium für den Wechsel von einer Position zur anderen, aber ich war immer begierig auf neue und grössere Herausfoderungen. Letztlich erkannte ich, dass grosse Herausforderungen der Fähigkeit bedürfen, einen grösseren Einfluss auf die Organisation zu nehmen.

Endlich kam ich an meinem Ziel an. Als Head of Hotel & Cruise Logistics bei Kühne + Nagel Management treffe ich die Entscheidungen, welche ich schon immer treffen wollte. Es war ein langer und spannender Weg vom Marketing: Aber am Ende wurden Marketing und General Management ein und dasselbe für mich.